Die Krimis und Hamburg

 

 

Mein Debüt "Ich vermisse dich nicht" spielt ausschließlich in Hamburg. Zum einen in einer Psychiatrie der Gegenwart, zum anderen im Hamburg der 60-er Jahre. Warum ist das so?

Weil ich als Quittje (für Nicht-Hamburger: Zugezogene) finde, dass die Hansestadt jede Menge Stoff für spannende Krimis liefert.

 

In "Ich vermisse dich nicht" treffen Sie auf viele bekannte Hamnburger Schauplätze. Eine wichtige Rolle spielt etwa der Ohlsdorfer Friedhof, der größte Parkfriedhof Europas. Die Dame, die Sie links im Bild sehen, steht auch dort. Es handelt sich dabei um eine Skulptur, die der Berliner Bildhauer Hugo Lederer zu Beginn des 20. Jahrhunderts angefertigt hat. Das Denkmal trägt den Titel "Das Schicksal" wird im Volksmund aber "Die grausame Gräfin" genannt.

 

Falls Sie die Gräfin einmal persönlich besuchen möchten: Sie quält ihre Opfer am Westring, nordwestlich der Kapelle 7 gelegen. Die Gräfin ist kein Grabmal, sondern eine Figurengruppe, die Lederer aus Muschelkalk gefertigt hat. Den Auftrag erhielt Lederer vom Hamburger Kaufmann Eduard Lippert, dessen Grundstück am Alsterufer die Skulptur auch lange zierte. Doch Eduard Lippert verlor schließlich sein Vermögen und musste sein Grundstück verkaufen. Auch die grausame Gräfin ging in den Besitz der Stadt über. Seit Mitte der 50-er Jahre steht die Gräfin in Ohlsdorf.

 

Kennen Sie diesen Herrn? Darf ich vorstellen: Fürst Otto von Bismarck, erster deutscher Reichskanzler. Die Statue ist ebenfalls von Hugo Lederer und steht am Rande der Neustadt, unmittelbar der Landungsbrücken.

 

Im Inneren des Bismarckdenkmals befinden sich diverse Wandmalereien, die verschiedene Zeitgeister spiegeln: Neben Auszügen aus Bismarcks "Blut- und Eisenrede" sind auch Hakenkreuze zu finden. Während des zweiten Weltkriegs wurde der Sockel der Statue als Luftschutzraum eingerichtet, der vor allem für Passanten, Anwohner und Besucher der Landungsbrücke gedacht war. Bis zu 650 Personen hatten darin Platz. Wofür die weitläufigen Katakomben, die das Bismarckdenkmal ebenfalls umlaufen und die 1906 gebaut wurden, ursprünglich vorgesehen waren, ist bis heute nicht bekannt. Das Innere des Bismarckdenkmals ist aus Sicherheitsgründen leider nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Auch das Bismarckdenkmal spielt eine zentrale Rolle in "Ich vermisse dich nicht".

 

Auch "Mord mit Alsterblick" spielt auf zwei Ebenen: In Hamburg und in Syrien. Die Hamburger Hauptschauplätze sind diesmal St. Georg, das Territoire rund um Aussen- und Innenalster, der Rathausmarkt und die Hamburger Unterwelt. Dies ist wörtlich zu verstehen, da es sich hierbei um einen Ort tief unten in der Hansestadt handelt...

 

 

... die Krimis und Syrien

 

 

Und warum Syrien? Während meiner Studienzeit konnte ich die Archäologen im Rahmen eines Ferienjobs auf einigen Grabungskampagnen ins syrische Qatna/Tell Mishrife (liegt ganz in der Nähe von Homs) begleiten. Die Monate in Syrien waren für mich spannend und lehrreich, denn die Archäologen

haben mich als Laien an ihrer Freude über die kostbaren Funde aus der

Antike teilhaben lassen und wurden nie müde, mir die vielen Fragen zu

beantworten, mit denen ich sie gelöchert habe.

Es erübrigt sich zu sagen, dass mir auf der realen Grabung keine

unliebsamen oder gar kriminelle Archäologen über den Weg gelaufen

sind. Aber mit lauter netten Leuten als Protagonisten lässt sich nun mal

kein Krimi schreiben, deshalb musste ich ein paar Bösewichte schlichtweg

dazuerfinden.

Als Quelle für die archäologischen Details diente mir das Buch Schätze

des Alten Syrien: Die Entdeckung des Königreichs Qatna, herausgegeben

von Michel al-Maqdissi, Daniele Morandi Banacossi und Peter Pfälzner,

erschienen 2009 im Theiss Verlag.