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Die Krimis und ich

 

Zwei gute Gründe

 

Mein Mann hat mir vorgeschlagen, meine Krimis unter einem Pseudonym zu schreiben, sonst wäre ich zu sehr auf ein Genre festgelegt.

 

Meine Mutter beschwert sich wiederholt: "Schreib doch nicht immer dieses brutale Zeug. Schreib doch mal was Schönes: 'n Kinderbuch. Oder ne Heimatgeschichte. Heimatgeschichten sind total gefragt zur Zeit. Was mit nem schönen Ende."

 

Ich habe beschlossen, Krimis unter meinem Namen Elisabeth Bacher zu schreiben, weil ich mich auf dieses Genre festlegen möchte. Keine Kinderbücher, keine Heimatgeschichten. Die werden sonst gar noch mit Christine Neubauer und Francis Fulton Smith verfilmt und im ZDF gezeigt. Und wie soll ich dann bitteschön aus der Nummer wieder rauskommen?

 

Ich finde, dass Krimis auch ein schönes Ende haben können: Der Mörder wird gefasst, die schöne Protagonistin entgeht ganz knapp dem Tod. Das ist doch ein wunderschönes Ende, oder nicht?

 

 

Schreiben ist Therapie

 

Aber warum schreibe ich so gern "dieses brutale Zeug"? Weil das abgrundtief Böse tief in mir schlummert und sich seine Wege bahnt? Nein.

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Tagtäglich werden wir alle mit dem Bösen konfrontiert, über die Medien oder durch selbst Erlebtes. Hier ein Krieg, da ein Attentat. Hunger. Raubüberfälle. Schlimme Unfälle. Naturkatastrophen. Lügen aller Couleur.

 

Wie verarbeiten wir all das Böse, das ständig auf uns einströmt?

 

Mein Weg ist das Schreiben. Ich finde, das ist ein guter Weg. Ich male mir Horror-Szenarien am Computer aus, immer inklusive: die größte anzunehmende Katastrophe. Das bewahrt mich vor schlaflosen Nächten. Denn wenn ich den Laptop wieder zuklappe, sind meine Ängste und Befürchtungen da drin. Und ich kann beruhigt schlafen gehen. Sie sehen also, das Krimi-Schreiben erfüllt einen therapeutischen Auftrag.

 

 

Schreiben ist Macht

 

Nebenbei arbeite ich freiberuflich als Journalistin, denn ich bin ausgebildete Redakteurin. Das ist der feine Unterschied: Journalist darf sich jeder nennen, der etwas Mediales von sich gibt, ganz ohne Ausbildung. Ein Redakteur dagegen hat sein Handwerkszeug gelernt. Ein Volontariat gemacht. Und während seiner Ausbildung bekommt der Schreiberlehrling täglich eingetrichtert, knapp und präzise zu formulieren. Immer an die Fakten halten. Und ja nicht zu viele Adjektive! Maximal 40 Zeilen, denn ein Bild muss ja auch noch zum Artikel.

 

Beim Krimi-Schreiben ist das ganz anders. Das ist meine Welt, die ich ganz allein erschaffe. Ich darf so viel erfinden, wie ich will. Die Fakten schaffe ich und staffiere sie mit einer ganzen Armee von Adjektiven aus. Ich darf so viele Seiten voll kritzeln, wie ich möchte. Bis die Geschichte in einem fulminanten Showdown gipfelt und mir beim Schreiben das Adrenalin aus allen Poren rinnt.

 

Wer überlebt und wer wann und wie seiner gerechten Strafe zugeführt wird, entscheide ich. Sie sehen also, das Krimi-Schreiben hat etwas mit Macht zu tun.